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Doping-Sünder und ihre Ausreden

Auf der Liste der gedopten Radsportler stehen neben den kleinen Wasserträgern auch prominente Namen wie Lance Armstrong oder Jan Ullrich. Was alle verbindet ist das Abstreiten jeglicher Vorwürfe. Trotz positiver Dopingproben wird geleugnet, was das Zeug hält.

Doping Radsport
Marc Pagani Photography / Shutterstock.com

Egal ob der eigene Hund, die Schwiegermutter oder mysteriöse Zwillingsbrüder, wenn es um Dopinganschuldigungen geht, dann folgen oftmals die skurrilsten Ausreden.

sportkomplott.de zeigt eine kleine Auswahl der besten Ausreden von Dopingverdächtigen im Radsport.

Frank Vandenbroucke und sein kranker Hund

Als Dopingfahnder 2002 im Haus von Frank Vandenbroucke das Asthmamittel Clenbuterol sicherstellten, brachte der Belgier blitzschnell seinen Hund ins Spiel.

"Mein Hund ist Asthmatiker", so die scheinheilige Begründung Vandenbrouckes. Den Beweis, dass es sich dabei nicht um die Wahrheit handelte, lieferte er 2007 mit seinem Buch "Ich bin nicht Gott", in dem er auch EPO-Doping zugibt.

Tyler Hamilton, ein Mischwesen?

Als Tyler Hamilton, Zeitfahr-Olympiasieger von Athen, des Blutdopings überführt wurde, hatte er eine ganz plausible Ausrede parat, zumindest für die Anhänger der griechischen Mythologie.

"Ich bin ein Mischwesen, die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert.", fabulierte der US-Amerikaner vor der Weltöffentlichkeit.

Genutzt hat ihm seine doch recht phantasievolle Geschichte relativ wenig. Hamilton wurde 2004 als erster Sportler überhaupt wegen Blutdopings für zwei Jahre gesperrt. 2009 wurde er des Steroid-Dopings mit Dehydroepiandrosteron (DHEA) überführt und als Wiederholungstäter für acht Jahre gesperrt.

Lance Armstrong und die Wundsalbe

1999 wurden im Blut von Lance Armstrong Kortikoide (Steroidhormone) nachgewiesen. Der siebenmalige Tour de France-Sieger führte dieses auf eine Salbe zurück, mit der er sich sein Gesäß eingerieben hatte.

Dieser Befund blieb für den US-Amerikaner folgenlos und war, trotz zahlreicher Verdächtigungen, der einzige positive Doping-Nachweis während Armstrongs Karriere. Erst Jahre später wurde das Ausmaß seiner Dopingvergehen bekannt und ihm alle Tour-de-France-Siege aberkannt.

Dario Frigo und seine verbotene Schwäche

Jeder Mensch hat so seine Schwächen. Doch wenn ein Radprofi angibt, er trage gerne Arzneimittel bei sich, ohne diese zu benutzen, dann wirft das schnell einige Fragen auf.

So geschehen beim Italiener Dario Frigo, Zweiter des Giro d'Italia 2001, der im Anschluss an eine Razzia genau diesen Umstand zu seiner Verteidigung vortrug. "Ich habe die Medikamente nie benutzt.", wollte Frigo den Doping-Kontrolleuren weiß machen.

Die Folgen seiner "kleinen Schwäche" waren eine Sperre, Haft auf Bewährung und eine Geldbuße.

Floyd Landis und der Griff zur Flasche

Floyd Landis galt als einer der Top-Favoriten auf den Gewinn der Tour de France 2006. Bis zur 16. Etappe lief auch alles wie geschmiert, dann brach Landis vollkommen ein und verlor nicht nur über 10 Minuten, sondern auch sein gelbes Trikot.

Doch schon am nächsten Tag, auf der Etappe nach Morzine, fuhr er die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden. Die Erklärung dafür ließ nur wenige Tage auf sich warten: ein synthetisches Testosteron.

Landis hatte aber eine ganz andere Begründung für seinen erhöhten Testosteronwert parat. Er habe am Abend zuvor "mindestens vier Whisky" aus einer offenen Flasche getrunken.

Die Whisky-Geschichte überzeugte niemanden und Landis wurde der Tour-Sieg 2006 aberkannt und für zwei Jahre gesperrt.

Christian Henn und die Schwiegermutter

Es war ein unerfüllter Kinderwunsch, der Christian Henn dazu brachte, auf ein Hausmittel seiner Schwiegermutter zurückzugreifen. Dumm nur, dass sich sein Testosteronwert dadurch so dramatisch erhöhte, dass er bei einer Trainingskontrolle 1999 positiv getestet wurde.

Der Kindwerwunsch wurde ihm erfüllt und damit er sich voll und ganz um den Nachwuchs kümmern konnte, gab es noch 6 Monate Sperre dazu.

Mittlerweile hat Henn gestanden, zwischen 1995 und 1999 mit EPO gedopt zu haben. Ob die Schwiegermutter auch daran beteiligt war ist eher unwahrscheinlich.

Gilberto Simoni und die Caramel-Bonbons

Gilberto Simoni, zweifacher Giro d’Italia-Sieger, wurde 2002 positiv auf Kokain getestet. Für Simoni war der Fall glasklar. Es müssen die Caramel-Bonbons gewesen sein, die sich der Italiener aus Südamerika mitgebracht hatte.

Die Verantwortlichen des Giros wollten aber nicht von seinen Bonbons probieren und schlossen Simoni kurzerhand von der Teilnahme aus.

Jan Ullrich und die harmlosen Pillen

Jan Ullrich wurde 2002, während eines Aufenthalts in einer Rehabilitationsklinik, positiv auf Amphetamine getestet. Die Begründung dafür ist genauso suspekt wie die angebliche Beteiligung Ullrichs im Doping-Fall Fuentes.

Bei einem Diskobesuch nahm Ulle zwei Pillen von einem Unbekannten entgegen, die sich nachher als Ecstasy-Tabeletten entpuppten.

Die Ausrede des Tour-Siegers von 1997 lautete: "Da waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, dass das nichts ist. Und dass das mir hilft und dass das eigentlich harmloses Zeug ist. Ich in meiner Dummheit habe die Dinger halt geschluckt. Das ist mir auch unbegreiflich. Da ist nichts Verbotenes drinnen."

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