Radsport

Schleck, lass nach!

Man wird ja wohl mal einen Fehler machen dürfen. Radprofi Fränk Schleck hat einem Gynäkologen 7000 Euro überwiesen, damit dieser ihm Trainingspläne schreibt. So weit, so normal. Konnte ja keiner ahnen, dass der Typ nebenbei auch mit Blut handelt.

Fränk Schleck hat dieses trostlose Unterfangen bei der Tour de France in der ihm gebührenden Schnelligkeit hinter sich gebracht. Das wäre nicht weiter schlimm gewesen, hätte er dabei mal einen Tag Pause eingelegt. Weil sich der CSC-Profi aber entgegen seiner Gewohnheit hartnäckig unter den Besten der Verdächtigen hielt, wurde ihm hinterher ebenso hartnäckig ins Ohr gepiekst.

Das fand der Fränk auch völlig okay, weil er ja auch weiß, dass Doping verboten ist. Sicherheitshalber wurde auch noch das Auto seines Vaters kontrolliert, der von Etappe zu Etappe mitreiste. Ob der Fränk das auch noch okay fand, ist nicht bekannt, die französische Polizei hat ihn in der Sache aber auch nicht um Rat gefragt.

Ein paar Wochen nach der Tour de France kam dann heraus, dass Fränk Schleck zwei Jahre zuvor 7000 Euro an einen Spanier namens Eufemiano Fuentes gezahlt hat. Fränk Schleck hat ein bisschen überlegen müssen, bevor er sich erinnerte: "Stimmt, das war dieser Typ in Madrid, der mir mal einen Trainingsplan geschrieben hat, damit das mit den fiesen Serpentinen besser hinhaut. Okay, das war wohl ein Fehler."

Kann man so sehen. Einem gelernten Gynäkologen wie Fuentes einen Trainingsplan abzuverlangen, ist ungefähr so, als hätte der FC Bayern Dr. Müller-Wohlfahrt zum Nachfolger von Ottmar Hitzfeld bestimmt, und nicht Jürgen Klinsmann.

Aber der Radsport hat seine eigenen Gesetze, und, wichtiger noch, er hat Humor. Das hat auch Fuentes verinnerlicht und seine zahlreichen Kunden auf einer Liste zu verewigt, die einige der bescheuertsten Pseudonyme enthält, die die Welt je gesehen hat.

Dass Fuentes als gelernter Gynäkologe von Trainingsmethodik überhaupt keinen Schimmer hatte, ist Schleck vermutlich erst aufgefallen, als sein Mentor von der spanischen Polizei verhaftet wurde und der ganze Schwindel aufflog. Heute weiß man: Hätte Schleck nur ein wenig mehr Geld investiert, wären seine Trainingspläne dort sogar im Kühlschrank gelagert worden.

So ein Unsinn! Mit richtigem Training hat Fränk Schleck die Tour de France 2008 als Sechster beendet.

Bildquelle: www.wikipedia.de
Bild von thomas
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