Formel 1
Im Think Tank der Formel 1
Es ist nicht so, dass das gescheiterte Comeback von Michael Schumacher der Formel 1 das Genick bricht. Nach Budgetstreit und dem Ausstieg von BMW wird im Think Tank der Rennserie aber dennoch gegrübelt, wie man zur Abwechslung mal wieder positive Schlagzeilen schreiben könnte.
Es ist ein unscheinbarer Bürokomplex in der Londoner City, in dem über die Zukunft der Formel 1 beratschlagt wird. Aufgeschreckt durch die Negativmeldungen der letzten Wochen hat Formel-1-Grande Bernie Ecclestone seine engsten Vertrauten zu einem Brainstorming eingeladen. Einziger Tagesordnungspunkt: Wie schreibt die Formel 1 wieder positive Schlagzeilen?
Die Stimmung ist gedrückt. Mit BMW hat ein namhafter Hersteller seinen Rückzug aus der Formel verkündet, weil die Serie nicht zum angestrebten Öko-Image des Konzerns passe. Ohnehin haben die Macher der Formel 1 von den Teams einen mächtigen Dämpfer erhalten, als diese erfolgreich mit ihrem Ausstieg drohten, sollte tatsächlich ein Budgetlimit festgelegt werden.
„Wir haben uns von ein paar lausigen Karosseriefritzen auf der Nase herumtanzen lassen. Herrgott, wir sind Harvard-Absolventen.“, schnaubt Eccelstones Anlagenberater verächtlich. Es sei eine Schande, sich hier in aller Heimlichkeit treffen zu müssen.
„Vergiss Schumacher, der Bursche ist draußen.“
Trotzdem findet Eccelstones Vorschlag, den Treffpunkt schnell von ein paar Jungs in SS-Uniformen abriegeln zu lassen, um unliebsame Beobachter gebührend auf die Zusammenkunft aufmerksam zu machen, keine Mehrheit. „Lass mal gut sein, Bernie. Ich halte das für keine gute Idee.“, wiegelt ein Teilnehmer ab.
Der scheidende FIA-Boss Max Mosley äußert seine Hoffnung, ein Comeback von Michael Schumacher würde die Serie massiv aufwerten. Gerade in Deutschland könne man so verloren gegangenes Terrain zurückgewinnen. „Ich weiß auch nicht, warum, aber die Krauts lieben den Typen einfach.“
„Vergiss Schumacher, der Bursche ist draußen.“, zischt ein Teilnehmer. „Hab´s gerade über Twitter erfahren. Sein Nacken macht nicht mehr mit. Keine Hilfe für uns." Ecclestone flucht leise vor sich hin. Er hat in den letzten zehn Minuten zwölf Mal seinen Kontostand abgefragt. Es ist keine Null dazu gekommen. Eine beunruhigende Situation.
In der geheimen Runde fallen derweil die Begriffe Tempolimit, Bio-Diesel, Schikanen, Betonpfeiler und Porsche. „Negativ! Alles viel zu negativ!“, brüllt Ecclestone dazwischen. Dann herrscht Stille. Es wird eine lange Nacht im unscheinbaren Bürokomplex in der Londoner City.

am 12. August 2009
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