Radsport
Die Favoriten der Tour de France 2009
Natürlich steht die Tour de France 2009 vor allem im Zeichen des Comebacks von Lance Armstrong. Doch anders als bei seinen bislang sieben Siegen geht Armstrong in diesem Jahr nicht als Top-Favorit an den Start. Der härteste Widersacher kommt dabei aus seinem eigenen Team.
Alberto Contador (Astana)
Contador startet als Kapitän für Astana in die Tour und ist der große Favorit auf den Gesamtsieg. Der Toursieger von 2007 kann dabei auf ein Team mit starken Rundfahrern bauen, darunter Levi Leipheimer, Andreas Klöden, Jaroslaw Popovych und, sofern er keine eigenen Interessen verfolgen kann, Lance Armstrong.
Contador ist im Hochgebirge kaum zu schlagen und gilt mittlerweile auch als überaus passabler Zeitfahrer. Beides zeigte er zuletzt bei der Dauphiné Libéré.
Doping-Vergangenheit: Stand als Kunde auf der berüchtigten Fuentes-Liste, allerdings nur vorübergehend. Sein Name wurde Gerüchten zufolge nach einem aufschlussreichen Gespräch mit den damals ermittelnden spanischen Ermittlungsbehörden wieder gestrichen.
Siegchancen: Top-Favorit. Ohne wenn und aber. So lange Armstrong da mitspielt.
Lance Armstrong (Astana)
Eigentlich galt der siebenmalige Toursieger Armstrong bei Tour-Veranstaltern nach seinem Abgang im Jahr 2005 als persona non grata. Weil die Tour aber seither vermarktungstechnisch an Boden verloren hat, haben beide Parteien wohl einen Burgfrieden geschlossen.
Dass der Texaner nicht gewillt ist, bei seinem Tour-Comeback den Grüßaugust für seine Krebsstiftung LIVESTRONG zu geben, hat er zuletzt beim Giro d´Italia bewiesen: Ein zwölfter Platz trotz Trainingsrückstand nach einem Schlüsselbeinbruch im Frühjahr ist das Indiz für eine gute Vorbereitung.
Im Gegensatz zu den alten Zeiten ist Armstrong im Team Astana allerdings nicht der unumschränkte Herrscher, was seine taktischen Möglichkeiten aber nicht unbedingt einschränken muss.
Doping-Vergangenheit: Reichlich. Nannte u.a. seinen italienischen Sportarzt Michele Ferrari, auch bekannt bekannt als „Dottore Epo“, einen Ehrenmann. Aber: Der nachträglich veröffentlichte Epo-Befund aus dem Jahr 1999 konnte aufgrund verfahrenstechnischer Fehler nicht verwertet werden.
Siegchancen: Ein Platz auf dem Podium ist sehr wahrscheinlich. Vielleicht auch mehr. Dann reicht´s aber auch.
Cadel Evans (Silence – Lotto)
Der Kapitän des belgischen Rennstalls Silence – Lotto geht nach zwei zweiten Plätzen in den Vorjahren erneut als Mitfavorit ins Rennen. Cadel Evans ist stark genug, um im Zeitfahren ganz vorn zu landen. Darüber hinaus muss er jedoch im Hochgebirge Zeit gutmachen. Was schwierig werden dürfte angesichts der Fähigkeiten Contadors und Armstrongs in diesem Terrain.
Evans gilt zudem nicht gerade als Taktiker vor dem Herrn.
Doping-Vergangenheit: Hat über einen längeren Zeitraum ebenfalls mit „Dottore Epo“, zusammengearbeitet.
Siegschancen: Podiumskandidat. Wenn Contador und / oder Armstrong aus dem Wettbewerb genommen werden, ist Cadel Evans Mann der Stunde
Denis Menchov (Rabobank)
Der Russe Denis Menschov ist einer der stärksten Allrounder im Peloton und kann sowohl im Zeitfahren als auch im Gebirge mit den Besten mithalten. In ziemlich souveräner Manier hat er sich so beim Giro durchgesetzt.
Das könnte wiederum das größte Handicap des Rabobank-Kapitäns sein. Bei der Tour wird er seinen Konkurrenten im Kampf gegen die Uhr keine Zeit abnehmen können.
Der letzte Fahrer, der in einer Saison Giro d´Italia und Tour de France gewinnen konnte, ist übrigens schon tot: Marco Pantani. Der letzte, der es versucht hat, Ivan Basso, durfte zur Tour gar nicht erst antreten.
Doping-Vergangenheit: Wie eigentlich das ganze Rabobank-Team steht Menchov im Verdacht, Kunde bei Humanplasma in Wien gewesen zu sein, und dort Eigenblutdoping vorgenommen zu haben. Nichts genaues weiß man nicht.
Siegschancen: Eher gering. Kommt bei der Doppelbelastung auf das Plasma an.

am 30. Juni 2009
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