Radsport
Sprachlicher Stellungskrieg um Klöden
Andreas Klöden und Teile der deutschen Presse liefern sich einen bizarr anmutenden sprachlichen Stellungskrieg. Der Astana-Profi ignoriert bei der Tour de Suisse Anfragen deutscher Journalisten. Im Gegenzug verhelfen diese ihm zu einer längeren Schreibweise seines Namens.
So taucht Klöden in Veröffentlichungen eigentlich nur noch als der unter Dopingverdacht stehende Andreas Klöden auf. Hintergrund ist die Mutmaßung, dass er während seiner Zeit bei Team T-Mobile an den Blutdopingpraktiken teilgenommen hat.
Dumm nur: Während die damaligen Teamärzte ihre Verwicklungen zumindest teilweise eingeräumt haben, konnte dem Wahlschweizer bislang nichts Konkretes nachgewiesen werden. Kann noch kommen, ist aber nicht. Dass er bis dahin auf Verdacht fährt, muss man nicht extra betonen, und wenn einer das weiß, dann Klöden selbst.
Öffentlich-rechtlicher Beissreflex
Vielleicht herrscht besonders in den Öffentlich-rechtlichen Sendern eine gewisse Zermürbtheit über die in der Vergangenheit unter Dämlichkeitsverdacht stehende Berichterstattung vor, die nun einen besonders scharfen Beissreflex auslöst.
Was nun auch nichts heißen muss: Immerhin schickt das ZDF zwei leitende Redakteure ins Sommerloch nach Washington, um von der neu in Leben gerufenen World Series im Triathlon zu berichten, einer Veranstaltung, die eigentlich schon aufgrund ihrer Existenz unter Dopingverdacht steht. Doch davon keine Rede.
Vorschlag zur Güte: Wenn schon Feindbild, dann bitte im Plural: Die unter Dopingverdacht stehende Tour de France. Auch im Angebot: Der unter Dopingverdacht stehende Klödi.
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