Radsport
Contador als Gastarbeiter
Eine elegante Methode, wie man als Radprofi sein Gehalt aufbessern kann, demonstrierte Astana-Profi Alberto Contador bei der Dauphiné Libéré. Dass er seinem Landsmann Valverde zum Sieg verhalf, war jedenfalls nicht der Tatsache geschuldet, dass sie beim gleichen Arzt waren.
Irgendwann auf dem Anstieg nach Saint-Francois-Longchamp machte Cadel Evans ein Gesicht, als hätte ihm jemand erst einen Igel vor das Rad geworfen und ihn dann darauf aufmerksam gemacht, dass sein Materialwagen leider schon am Ziel sei.
Es war der Zeitpunkt, an dem der Australier einsehen musste, dass er die Dauphiné nicht würde gewinnen können, weil er gegen eine übermächtige Allianz antrat. Evans hatte während der Etappe gefühlte zwanzig Attacken lanciert, um den von seinen Helfern isolierten Alejandro Valverde in Schwierigkeiten zu bringen: Genau so oft hatte Alberto Contador die Lücke zugefahren und seinen Landsmann Valverde im Schlepptau mitgebracht.
Synergetische Interessenlage
Dabei war offensichtlich, dass Contador keine eigenen Siegambitionen verfolgte. Der Tour-Favorit fuhr zwar auch Höchstschwierigkeiten im Profil so aufreizend lässig ab, als könne er die Konkurrenz bei Bedarf jederzeit abhängen: Am Ende beließ er es jedoch dabei, die Gruppe der Gesamtführenden beieinander zu halten und Alenjandro Valverde zum Sieg zu verhelfen.
Valverde durfte so darüber hinweg trösten, dass ihm aufgrund massiven Dopingverdachts eine Sperre droht und er schon bei der Tour de France gar nicht erst antreten darf. Sein Gastarbeiter Contador darf sich demnächst über einen Scheck von Valverde freuen, der ihn darüber hinweg trösten dürfte, dass sein eigentlicher Arbeitgeber ihm angeblich mehrere Monatsgehälter schuldet.
Sieg nach Absprache
Dass im Radsport nicht immer der beste gewinnt, ist keine neue Erkenntnis. Im Fall von Valverde und Contador ist das leicht nachzuvollziehen: Man kennt sich, kommt aus demselben Land (Spanien), hat denselben Arzt (Fuentes) und über den fälligen Betrag wird man sich schon einig.
Irgendwann auf dem Anstieg nach Saint-Francois-Longchamp klopfte Valverde Alberto Contador vor lauter Dank sogar auf die Schulter. In diesem Moment schaute Cadel Evans so drein, als wäre er selbst der Igel gewesen.

am 21. Juni 2009
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